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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Psalm 88.

Gebet in schwerer Anfechtung.

1 Ein Lied.   Ein Psalm, der Korachiten.   Dem Musikmeister, nach "Krankheit", zum Singen.   Ein Maskil Hemans, des Esrachiten.
2 Jahwe, mein Gott, tagsüber rufe ich um Hilfe,
in der Nacht schreie ich vor dir.
3 Laß mein Gebet vor dich kommen,
neige meinem Flehen dein Ohr!
4 Denn meine Seele ist mit Leiden gesättigt,
und mein Leben ist der Unterwelt nahe.
5 Ich werde denen zugezählt, die in die Grube hinabfuhren;
ich gleiche einem kraftlosen Manne.
6 Unter die Toten werde ich gerechnet,
gleich Erschlagenen, die im Grabe liegen, deren du nicht mehr gedenkst,
indem sie von deiner Hand geschieden sind.
7 Du hast mich in die unterste Grube gelegt,
in dichte Finsternis, in große Tiefe.
8 Auf mir lastet dein Grimm,
und alle deine Wogen drücken mich nieder.   Sela.
9 Du hast meine Bekannten von mir entfernt,
hast mich zum Abscheu für sie gemacht;
ich bin eingeschlossen und kann nicht hinauskommen.
10 Mein Auge verschmachtet vor Elend;
ich rufe dich, Jahwe, an jedem Tage,
ich breite meine Hände zu dir aus.
11 Wirst du an den Toten Wunder thun,
oder werden die Schatten auferstehen, um dich zu preisen?   Sela.
12 Wird deine Gnade im Grabe verkündigt,
deine Treue im Abgrund?
13 Werden deine Wunder in der Finsternis kund
und deine Gerechtigkeit im Lande des Vergessens?
14 Ich aber schreie zu dir, Jahwe,
und mein Gebet kommt des Morgens vor dich.
15 Warum verwirfst du, Jahwe, meine Seele,
verbirgst vor mir dein Angesicht?
16 Ich bin elend und hinsterbend von Jugend auf;
ich trage deine Schrecken, ich ermatte.
17 Deine Gluten sind über mich ergangen,
deine Schrecken haben mich vernichtet.
18 Sie umgeben mich allezeit wie Wasser,
umringen mich insgesamt.
19 Freunde und Gefährten hast du von mir entfernt;
meine Bekannten sind Finsternis.